Reise zurück in die zweite Heimat
Ein Monat war ich da. Und jeden Tag war ich einfach nur glücklich.
Wie geplant, reiste ich im Juli einen Monat lang zurück nach Korea. Der erste Schritt aus dem Flugzeug fühlte sich vertraut an. Früher klopfte mir immer das Herz im Hals vor Freude und Aufregung. Inzwischen hatte ich mich wohl daran gewöhnt, nach einem langen Flug in Seoul zu landen. Als wäre es bereits eine alte Routine.
Dieses Mal musste ich aber nach langer Zeit wieder wie alle anderen Touristen durch die Immigration für Ausländer. Während meines langen Aufenthaltes durfte ich mich immer in die Reihe mit den Koreaner:innen stellen, wodurch ich oft misstrauische Blicke auf mich zog. Aber auch wenn mein Status nicht mehr der gleiche war, war ich einfach nur glücklich zurück zu sein.
Mein Koffer war der letzte, der auf dem Gepäckband landete. Wegen der Warterei kam ich ziemlich erschöpft bei meiner Freundin in der Wohnung an. Da sie aber leider genau an diesem Tag flach lag, beschloss ich spontan, mit Freunden aus einem Gruppenchat essen zu gehen. Ein altbekanntes Gesicht und zwei neue Leute. Lustigerweise ist mein erstes Essen, wenn ich nach Korea komme, immer Chicken. Nicht weil ich es mir so aussuche, einfach reiner Zufall.
Ab dem ersten Moment fühlte sich alles so natürlich an. Als wäre ich nicht fast ein ganzes Jahr lang weggewesen. Und zum Glück schienen auch meine Koreanischkenntnisse nicht wirklich zurückgegangen zu sein. Ich unterhielt mich wieder wie gewohnt mit meinen Freund:innen und war auch in Gedanken wieder in verschiedenen Sprachen unterwegs.
Jedes Mal, wenn ich eine alte Freundin oder einen alten Freund sah, strahlte ich vor Freude. Und ich merkte, wie dankbar ich für mein soziales Netzwerk in Korea bin. Mir wurde auch bewusst, wie nahe ich manchen Menschen gekommen bin. So, dass man sich alles ungeniert erzählen kann und sich einfach wohl fühlt.
Für all das bin ich so dankbar. Ich wollte nicht, dass die Zeit vorbeigeht. Ein Monat fühlte sich zu kurz an. Natürlich war es auch ermüdend, jeden Tag mehrere Leute zu treffen. Aber ich merkte einmal mehr, wie sehr ich es brauche, unter Menschen zu kommen.
Ich kann es mir nicht wirklich erklären, weshalb ich mich in Seoul so zuhause fühle. Sosehr, dass ich manchmal fast vergass, nicht Koreanerin zu sein und mich nicht angesprochen fühlte, wenn jemand was auf Englisch sagte.
Ich kann es mir nicht wirklich erklären – aber ich weiss, dass ich hier hingehöre. Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch?